"Von Passau nach Paris" - Sammlung Hermine Muthmann in den "Kunsträumen grenzenlos

Bayerisch Eisenstein im Landkreis Regen. "Von Passau bis Paris" ist der Titel der neuen Ausstellung in den Kuns(t)räumen grenzenlos. Seit Sonntag steht dort moderne Kunst aus verschiedenen Ländern im Blickpunkt. Arbeiten von international renommierten Künstlern wie Salvador Dali, Roberto Matta, Maria Lassnig, Marino Marini, Joseph Beuys und Georg Baselitz hängen neben Arbeiten vor allem von Mitgliedern der Donau-Wald-Gruppe: Heinz Theuerjahr, Otto Sammer, Wolf Hirtreiter und Alwin Stützer sind hier als Beispiele zu nennen. Die 94 Grafiken in der Ausstellung hat der Landtagsabgeordnete Alexander Muthmann aus Freyung zur Verfügung gestellt, dem die Sammlung seit dem Tod der Mutter im Oktober 2014 gehört.
"Ich sammle, was mir gefällt", hat Hermine Muthmann (1926 - 2014) immer betont. Die moderne Kunst hatte es ihr besonders angetan. Das erste Bild kaufte die junge Münchnerin Hermine Reisböck, die damals als Sekretärin beim Kinderfunk des Bayerischen Rundfunks arbeitete, 1951 von Kaspar Walter Rau. Der Künstler war aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und schlug sich unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen mit seiner Familie im oberfränkischen Dorf Himmelkron durch. Er kam in die Redaktion und Hermine Reisböck erfuhr aus seinen Schilderungen, wie schwer das Überleben für einen Künstler in der Nachkriegszeit war. Sie kaufte ihm ein Aquarell für hundert DM ab. Das war die Hälfte ihres Monatsgehalts – ein Segen für Kaspar Walter Rau.
Der soziale Aspekt spielte bei ihrer Sammlertätigkeit immer eine Rolle. Sie wollte Künstlern helfen, hat Kunstwerke in Raten bezahlt, wenn die Summe ihr Budget überstieg, hat sie selbst immer wieder erzählt. Als sie 1960 mit ihrem Mann Robert und dem damals vierjährigen Sohn Alexander zunächst von München nach Passau und 1964 nach Wegscheid zog, tauchte sie in die Welt der Donau-Wald-Gruppe ein. Der Architekt Hanns Egon Wörlen, der auch Kunstmäzen war, stellte den Kontakt her. Hermine Muthmann und ihr ebenfalls sehr kunstsinniger Mann Robert, der von 1964 bis zur Gebietsreform 1972 Landrat von Wegscheid war, verbrachten viele Sonntagnachmittage bei Heinz Theuerjahr und seiner Frau Zenzi in Waldhäuser, wurden gute Freunde von Alwin Stützer, der unter kargen Verhältnissen auf der Neuburg lebte. „Ein wunderbarer Blick über die Landschaft am Inn, aber ein einziger Raum zum Leben und Arbeiten“, erinnert sich Sohn Alexander Muthmann bei der Vernissage in den „Kunsträumen grenzenlos“ in Bayerisch Eisenstein.
Die Nähe zu Österreich war wohl auch der Grund dafür, dass Hermine Muthmann gezielt Arbeiten von Künstlern aus dem Nachbarland sammelte, von Alfred Hrdlicka zum Beispiel, Hermann Nitsch, Christian Ludwig Attersee, Arnulf Rainer, Alois und Annerose Riedl. Sie hatte sich für Grafik entschieden, weil diese für sie erschwinglich war. Hermine Muthmann informierte sich in Ausstellungen über das Geschehen in der zeitgenössischen Kunst, besuchte Galerien in Salzburg, Linz, Schärding und München, ging auf Auktionen und wusste genau über das Mindestgebot Bescheid. Nie gab sie mehr Geld aus als sie sich vorgenommen hatte, weiß Alexander Muthmann. Über ihre Erwerbungen führte sie genau Buch; jedes einzelne Blatt ist auf einer Karteikarte in einem grauen Kasten registriert. Hermine Muthmann freute sich an den Werken, die ihr und ihrem Mann immer wieder Gesprächsstoff lieferten. Und sie verschenkte einiges, auch wenn es ihr schwerfiel. „Nur dann sind Geschenke etwas wert, wenn man sich ungern von den Sachen trennt“, ist als Aussage von ihr überliefert.
Hermine Muthmann war eine für ihre Zeit sehr emanzipierte Frau. Sie organisierte den Alltag, managte die Anwaltskanzlei ihres Mannes, die dieser nach der Zeit als Landrat in Wegscheid in Passau eröffnete. Und sie saß bei den Ausflügen am Steuer. Bekannte erinnern sich an sie als eine großzügige Gastgeberin und blendende Unterhalterin, die gerne Witze erzählte und alles aufsaugte, was sie bei und mit den Künstlern erlebte. Die Sammlung in den „Kunsträumen grenzenlos“ ist letzten Endes ein Überblick über die Grafik des 20. Jahrhunderts – Ergebnis einer leidenschaftlichen Sammlertätigkeit. Galerist Christian Bayerl freut sich sehr freut, dass er die Arbeiten in seiner Galerie präsentieren darf, wie er bei der Vernissage sagte. Sven, Fritz und Christa Bauer haben die einzelnen Werke zu einer ansprechenden Schau zusammengestellt.