Offene Läden am Sonntag helfen Einzelhandel nicht - Roman Liebl berichtet MdL Muthmann von seinen Erfahrungen


MdL Alexander Muthmann und Unternehmer Roman Liebl im Gespräch über die Situation des Einzelhandels.

Viechtach. Einen Unternehmer wie Roman Liebl findet man im ländlichen Raum nicht mehr oft. Er führt den seit 1828 bestehenden Familienbetrieb in Viechtach nicht nur in die Zukunft, sondern hat außerdem im Jahr 2014 am Stadtplatz neu gebaut. „Aufhören oder investieren“ war die Devise, denn „die kleineren Modegeschäfte sterben aus“. „Man braucht eine gewisse Größe und Verkaufsfläche“, erklärte er Alexander Muthmann. Der Landtagsabgeordnete aus Freyung war neugierig geworden, wie es dem „Liebls“ in Viechtach gelingt, in dieser Branche erfolgreich zu sein. Muthmann wollte hören, wie ein Praktiker manche politischen Entwicklungen und Forderungen einschätzt.

Ein Thema in dem Gespräch waren die Ladenöffnungszeiten. Die FDP, der Muthmann angehört, möchte eine generelle Öffnung an Sonntagen ermöglichen, doch in dem Punkt weicht Muthmanns Meinung von der seiner Partei ab. Auch Roman Liebl bestätigte dem Abgeordneten, dass dies gerade für den ländlichen Raum keine gute Entwicklung wäre. „Davon profitieren nur die großen Ketten, aber die Einzelhändler haben nichts davon. Es wird nicht mehr Umsatz generiert, er verschiebt sich lediglich“, ist Liebl überzeugt. Sinnvoller wäre es, das Angebot an verkaufsoffenen Sonntagen, wie es sie in Viechtach derzeit viermal im Jahr gibt, zu erleichtern. „Denn das wird nur genehmigt, wenn wir nachweisen, dass am Ort auch etwas geboten ist.“ Auch bei langen Shoppingnächten oder Eventabenden wären Lockerungen sehr wünschenswert, betonte der Einzelhändler, für den solche Events Teil der erfolgreichen Firmenstrategie sind. Alexander Muthmann selbst findet auch, dass der Sonntag weiterhin ein Tag der Familien bleiben solle. „Wir würden uns mit Ladenöffnungszeiten auch am Sonntag gesellschaftlich keinen Gefallen tun und ich denke, es fände auch politisch keine Mehrheit“, schloss Muthmann, der sich bei Roman Liebl auch über seine Strategie in Sachen Onlinehandel erkundigte.

„Wir haben wieder damit aufgehört, nachdem sich gezeigt hat, dass man in der Modebranche als Einzelhändler nicht viel von einem Onlineshop hat, weil das Produkt zu vergleichbar ist“, erklärte der Unternehmer. Man müsste eine Nische bedienen oder das Ganze sehr groß aufziehen, was bedeute, sehr viel Geld zu investieren, um wirklich konkurrieren zu können. „Das rentiert sich einfach nicht. Wir setzen stattdessen auf besonderen Service, gute Beratung, persönliche Ansprache und sorgen dafür, dass sich die Kunden rundherum wohlfühlen bei uns. So kreieren wir unser Image“, sagte Liebl. Den Geldabfluss insgesamt durch den steigenden Onlineeinkauf sieht er sehr kritisch – zumal die großen Konzerne meist keine Steuern zahlen. „Wir Kleinen haben keine Schlupflöcher und müssen zugleich die Innenstädte am Leben halten. Doch es ist ein Teufelskreis: Je weniger in der Stadt angeboten wird, desto mehr Leute fahren zum Einkaufen gleich nach Straubing oder Deggendorf“, berichtete der Unternehmer.

Roman Liebl findet auch, dass darüber hinaus die Politik den Einzelhandel stärker fördern könnte. „Als wir neu gebaut haben, habe ich keinen Cent Wirtschaftsförderung bekommen. Für den Einzelhandel gibt es nichts. Hätte ich einen Internethandel oder zum Beispiel ein Hotel, hätte es bis zu 30 Prozent der Investitionssumme als Förderung gegeben.“

MdL Muthmann nahm dies als Anregung für seine Arbeit mit und Roman Liebl bedankte sich für das offene Gespräch. „Ich finde es gut, dass Sie herumfahren und in der Region mit Leuten aus der Praxis reden, noch bevor ein Thema akut ansteht.“