KoNaRo punktet mit Silage-Abdeckung zum Verfüttern - MdL Muthmann und Heubisch lernen Neuheiten kennen

Die FDP-Landtagsabgeordneten Alexander Muthmann und Wolfgang Heubisch (3. und 4. v. l.) interessierten sich sehr für die innovativen Produkte in der Ausstellung „Nachwachsende Rohstoffe - von der Pflanze zur Nutzung“, mit der das KoNaRo die Bevölkerung informiert. Edmund Langer, Geschäftsführer von C.A.R.M.E.N, Dr. Bernhard Widmann und Professorin Dr. Anja Faße standen als kompetente Gesprächspartner zur Verfügung.

Freyung/Straubing. Das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing, kurz KoNaRo genannt, punktet mit innovativen Erfindungen. Ein Beispiel ist eine Silage-Abdeckung, die verfüttert werden kann. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hat dieses Produkt im November 2018 mit dem Innovation Award in Gold ausgezeichnet. „Eine tolle Erfindung, in der eine enorme Forschungsarbeit steckt. Wir sind jetzt auf der Suche nach einem Unternehmen, das dieses Verfahren auf den Weg bringt“, berichtete Dr. Bernhard Widmann, Leiter des Technologie- und Förderzentrums (TFZ) den Landtagsabgeordneten Alexander Muthmann und Dr. Wolfgang Heubisch bei einem Rundgang durch die Einrichtung. Die beiden FDP-Politiker informierten sich Anfang der Woche über die aktuelle Situation im KoNaRo. Sie stießen dabei immer wieder auf das Dilemma: tolle Erfindungen, aber (noch) keine Abnehmer, weil Erzeugnisse aus nachwachsenden Rohstoffen auf dem Markt wenig Chancen haben. Muthmann und Heubisch wollen mithelfen, das Bewusstsein bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu schärfen. „Die Energiewende positiv gestalten, den Menschen Lust machen, selbst aktiv zu werden“ nahmen sie als Botschaft mit.

Der Grund, warum nachhaltig erzeugte Waren nicht im erforderlichen Umfang gekauft werden, liegt für Dr. Bernhard Widmann klar auf der Hand: der Preis! „Produkte aus den fossilen Energieträgern Öl, Kohle und Gas sind billiger, weil wir sie uns zum Plünderungstarif nehmen. Wir beuten die Bodenschätze aus, ohne die Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen zu berücksichtigen. Wir legen nichts zurück, berechnen nur die Kosten für die Entnahme“, betonte der stellvertretende KoNaRo-Sprecher. Bei den erneuerbaren Energieträgern sehe die Rechnung ganz anders aus, beginne schon bei den Produktionskosten. Widmann zur aktuellen Situation: „Täglich wird eine Erdölmenge verbraucht, die erdgeschichtlich in 1 000 Jahren gebildet wurde!“ Die fossile Rohstoffbasis gehe aber langsam zu Ende. Angesichts des Klimawandels und der Energiewende sei ein drastisches Umdenken nötig, um die Existenz auf unserem Planeten zu sichern. „Die Erde kommt gut ohne uns aus“, sagte Bernhard Widmann. Beim Klimaschutz brauche es eine Revolution; die Anstrengungen müssten umfassender sein und schneller gehen.

Für diese „neue Zukunft“ ist das KoNaRo mit seinen drei Säulen TUM Campus Straubing, dem Technologie- und Förderzentrum sowie C.A.R.M.E.N, der Koordinierungsstelle für Nachwachsende Rohstoffe, Erneuerbare Energien und nachhaltige Ressourcennutzung gut aufgestellt. C.A.R.M.E.N-Geschäftsführer Edmund Langer stellte auf dem Rundgang durch das Gebäude verschiedene innovative Produkte vor, zum Beispiel einen Raps-Asphalt, der rund fünf Prozent Rapsöl im Bitumenanteil enthält und für die Oberflächenbehandlung von Fahrbahnen genutzt werden kann. „Rapsöl-Bitumen- Emulsionen wiesen im Vergleich mit konventionellen Produkten wichtige Vorteile im Umwelt- und Gesundheitsschutz auf“, berichtete Langer. Da Rapsöl eine weichmachende Wirkung habe, könnten flüchtige und zum Teil schädliche Fluxmittel ersetzt werden. Außerdem sei das biologisch abbaubare Rapsöl bei Auswaschungen durch den Regen deutlich umweltschonender. Und das im Rapsöl gebundene Kohlendioxid könne dauerhaft im Straßenbaukörper gespeichert werden: „Ein Quadratmeter Straßenoberfläche entspricht einem Quadratmeter Rapsfeld“, lautet die Formel. Der Raps-Asphalt ist eines von vielen Produkten in der Ausstellung „Nachwachsende Rohstoffe - von der Pflanze zur Nutzung“, mit der das KoNaRo die Bevölkerung informiert.

Im Praxistest befindet sich ein Pflanzenöltraktor der Abgasstufe IV. „Der Schlepper kann mit verschiedenen Pflanzenölkraftstoffen zum Beispiel aus Raps betrieben werden und liefert unter realen Einsatzbedingungen hervorragende Werte“, informierte Dr. Bernhard Widmann über das vielversprechende Projekt aus dem Technologie- und Förderzentrum TFZ. – Wie eng die drei KoNaRo-Säulen zusammenarbeiten, schilderte auch Professorin Anja Faße, Prorektorin des TUM Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit. An diesem „Satelliten“ der Technischen Universität München studieren derzeit 333 junge Leute, tausend sollen es im Jahr 2025 sein. Angeboten werden die Studiengänge Bioökonomie, Chemische Biotechnologie, Nachwachsende Rohstoffe, Technologie- und Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre sowie Biomassetechnologie. Die Ausbaupläne sehen in den nächsten Jahren Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro vor. „Wir wollen die innovativsten Köpfe nach Straubing holen“, beschrieb Anja Faße ein Ziel für die Zukunft.

KoNaRo genießt inzwischen auch internationale Anerkennung, teilte Dr. Bernhard Widmann mit. Besuchergruppen kämen aus der ganzen Welt, sogar aus Nordkorea. - Dem Rundgang schloss sich eine intensive Diskussion über ein Energiekonzept der Zukunft an. Den größten Erfolg versprechen sich die Experten von einem Mix aus verschiedenen Energieträgern. Und: Sie favorisieren dezentrale Lösungen – ein Modell, auf das auch der Landtagsabgeordnete Alexander Muthmann seit Jahren setzt. Er ist regelmäßiger Besucher in der Einrichtung, die er seit seiner Zeit als Jurist am Landratsamt in Straubing begleitet. „KoNaRo liefert wichtige regionalpolitische Impulse für die Stadt Straubing und für ganz Niederbayern. Hier werden die Themen der Zukunft behandelt“, ist Muthmann überzeugt.